Shopfloor Management in der Fertigung

Shopfloor Management – Grundlagen und Bausteine

Willkommen in der Welt des Shopfloor Managements. In diesem Artikel gehen schauen wir auf die Grundlagen, die praktische Umsetzung und die Vorteile dieses wirksamen Konzepts für die Unternehmen, für die Führungskräfte und die Mitarbeitenden. Mit fast 20 Jahren Erfahrung und einer Vielzahl durchgeführter Shopfloor Management Workshops von der Einführung bis zur Weiterentwicklung, bringe ich viele Erkenntnisse und ein sehr gutes Wissen in dieses Thema ein. Hier also die Zusammenfassung der wichtigsten Punkte aus vielen Gesprächen, Schulungen, Workshops und Coachings aus der Praxis für die Praxis.

Was bedeutet Shopfloor Management?

Shopfloor Management bezieht sich auf die systematische Organisation und Steuerung der Produktionsprozesse direkt auf der Shopfloor-Ebene, also dem Ort, an dem die tatsächliche Fertigung bzw. Produktion stattfindet. Dieses Konzept zielt also darauf ab, die Sichtbarkeit, Transparenz, Steuerung und schnelle Unterstützung für die Produktion zu ermöglichen und sehr wirksame Führungsstrukturen zu entwickeln.

Was ist der Zweck eines Shopfloor Managements?

Der Hauptzweck des Shopfloor Managements besteht darin, die Produktivität zu steigern, Verschwendung zu reduzieren und die Qualität in der Fertigung zu verbessern. Es ist ein Schlüsselinstrument, um die Gesamtleistung eines Unternehmens zu steigern und gleichzeitig die Kundenzufriedenheit sicherzustellen. Im Kern werden damit alle relevanten und wichtigen Informationen gebündelt und in bestimmten Besprechungsformaten, den Shopfloor Meetings, besprochen und gesteuert. Es wird dabei auch oft von einem “Führungssystem” gesprochen, mit dem täglich alle priorisierten Punkte systematisch behandelt werden. Ein guten System fördert eine moderne und auf Problemlösung ausgerichtete Arbeitsweise und Haltung.

Shopfloor Management in der Praxis

Was ist in der Praxis bei Shopfloor Management zu beachten
Was ist in der Praxis bei Shopfloor Management zu beachten

Wie genau funktioniert Shopfloor Management in der Praxis? Hier sind die wesentlichen Schritte und Prozesse:

1. Planung und Zielsetzung

Der erste Schritt im Shopfloor Management ist die Festlegung von klaren Zielen und die Planung von Maßnahmen, um diese Ziele zu erreichen. Dies erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Führungskräften und Mitarbeitern auf der Shopfloor-Ebene. Ein gutes Shopfloor Management System ist so aufgesetzt, dass alle relevanten Informationen vom Shopfloor bis zur Werksleitung in einer sinnvollen Art und Weise fliessen. Es bedarf also einer passenden Struktur und einiger Spielregeln, damit die Wirksamkeit in diesem “Führungssystem” komplett entfaltet werden kann.

2. Shopfloor Meetings zur Steuerung

Shopfloor Meetings sind tägliche kurze Treffen, bei denen Führungskräfte und Mitarbeiter zusammenkommen, um z.B. den Fortschritt bestimmter Initiativen zu besprechen, aktuelle Probleme zu identifizieren und Lösungen zu finden. Diese Meetings fördern die Kommunikation und Zusammenarbeit und sind sehr wichtig für die Weiterentwicklung des Bereiches. Diese hilfreichen Besprechungen sind die zentralen Element des Shopfloor Managements.

Welche Shopfloor Ebenen und Meetings gibt es?

In vielen Unternehmen gibt es Shopfloor Meetings auf unterschiedlichen Ebenen. Das bedeutet z.B. folgendes:

Shopfloor Meetings Ebene I: Diese Meetings finden auf der ersten Ebene direkt an der Wertschöpfung statt und beziehen sich auf tägliche Besprechungen zwischen den Mitarbeitern, um den aktuellen Stand der Produktion, Probleme und mögliche Lösungen zu besprechen.

Shopfloor Meetings Ebene II: Hier handelt es sich um Meetings auf der mittleren Ebene, bei denen Teamleiter oder Gruppenleiter beteiligt sind. Sie fokussieren sich auf die Koordination zwischen den Teams und die Steuerung übergeordneter Themen. Oft werden hier ungelöste Herausforderungen aus dem Shopfloor Meetings Ebene I besprochen mit dem Ziel so schnell wie möglich zu helfen.

Shopfloor Meetings Ebene III: Auf dieser Ebene nehmen höhere Führungskräfte und Manager teil. Diese Meetings konzentrieren sich auf die strategische Ausrichtung, die Überprüfung von Leistungskennzahlen und die Festlegung von langfristigen Zielen im Zusammenhang mit dem Shopfloor Management. Auch hier werden dann z.B. Eskalationen besprochen, die in den Ebenen I bis II nicht gelöst werden konnten.

Die Meetings sind dann zeitlich so aufgesetzt, dass alle Informationen von Ebene I bis Ebene III in einer kurzen Zeitspanne weitergegeben werden und alle bestmöglich abgestimmt und koordiniert sind.

3. Shopfloor Boards und Ihr Nutzen

Ein entscheidender Baustein des Shopfloor Managements sind die sogenannten Shopfloor Boards. Diese visuellen Arbeitsinstrumente sind auf der Shopfloor-Ebene prominent platziert und dienen dazu, wichtige Informationen und Daten für alle sichtbar darzustellen.

Beispiel für ein Shopfloor Board:

Nehmen wir an, Sie arbeiten in einem Produktionsunternehmen, das Autoteile herstellt. Auf Ihrem Shopfloor Board könnte Folgendes dargestellt sein:

  • Tagesproduktionsziel: 500 Einheiten
  • Aktuelle Produktion: 380 Einheiten
  • Ausschussrate: 2%
  • Priorität des Tages: Sicherstellung der Qualität und Erreichung des Produktionsziels

Auf dem Board sind außerdem Fotos von Mitarbeitern, Abwesenheitsübersichten, Sicherheitshinweise und Hinweise zu aktuellen Verbesserungsprojekten, Teamziele, Problemlösungsblätter und oft auch diverse Auswertungen zu sehen. Das Board ist farblich hervorgehoben, um schnell auf Abweichungen von den Zielen aufmerksam zu machen und verfügt über eine Abschnitt für Ideen und Vorschläge zur kontinuierlichen Verbesserung. Viele Unternehmen setzen mittlerweile auch digitale Shopfloor Boards ein.

Die Verwendung von Shopfloor Boards ermöglicht es, alle relevanten Informationen an einem zentralen Ort zu bündeln und trägt so erheblich zur Effizienz und Effektivität des Shopfloor Managements bei.

Welche Kennzahlen machen am Shopfloor Sinn?

Welche Kennzahlen machen für mich wirklich Sinn
Welche Kennzahlen machen für mich wirklich Sinn

Eine wirksame Koordination und Steuerung der Abläufe am Shopfloor ist von entscheidender Bedeutung, um die Produktivität, Qualität und Sicherheit in der Fertigung zu gewährleisten. Kennzahlen spielen hierbei eine zentrale Rolle, da sie quantifizierbare Informationen liefern, die als Grundlage für fundierte Entscheidungen dienen können. Doch welche Kennzahlen sollten Unternehmen auf dem Shopfloor genau im Blick behalten?

Die Antwort auf diese Frage hängt von den individuellen Bedürfnissen und Prozessen eines Unternehmens ab. Es gibt jedoch einige allgemeine Empfehlungen und Kategorien von Kennzahlen, die in den meisten Fällen relevant sind und als Ausgangspunkt dienen können. Diese Kategorien lassen sich leicht durch das Akronym “S-Q-A-K-T” zusammenfassen:

S (Sicherheit):

  • Arbeitsunfälle: Diese Kennzahl misst die Anzahl der Arbeitsunfälle, bei denen Mitarbeiter aufgrund von Verletzungen von der Arbeit abwesend waren. Ein niedriger Wert zeigt an, dass Sicherheitsmaßnahmen effektiv sind.
  • Präventionsmaßnahmen: Hierbei handelt es sich um eine Metrik zur Verfolgung von Sicherheitsvorkehrungen. Dies kann die Anzahl der durchgeführten Sicherheitsschulungen, Sicherheitsinspektionen oder die Anzahl der gemeldeten Sicherheitsvorfälle einschließen.

Q (Qualität):

  • Ausschussrate: Diese Kennzahl gibt an, wie viele fehlerhafte Produkte während der Fertigung erzeugt wurden. Sie hilft dabei, Qualitätsprobleme frühzeitig zu erkennen und zu reduzieren.
  • Reklamationsrate: Hier wird die Anzahl der Kundenreklamationen in Bezug auf Produktqualität erfasst. Dies ermöglicht es, Problembereiche zu identifizieren und Qualitätsverbesserungen vorzunehmen.

A (Ausbringung):

  • Durchlaufzeit: Diese Kennzahl misst die Zeit, die benötigt wird, um ein Produkt von Anfang bis Ende des Fertigungsprozesses zu bringen. Sie zeigt, ob die Lieferzeiten eingehalten werden und ermöglicht eine bessere Planung.
  • OEE (Overall Equipment Effectiveness): OEE ist eine umfassende Kennzahl, die die Produktivität von Maschinen und Anlagen bewertet. Sie berücksichtigt Faktoren wie Verfügbarkeit, Leistung und Qualität und hilft dabei, Engpässe zu identifizieren.

K (Kosten):

  • Gesamtkosten der Produktion: Diese Kennzahl erfasst die gesamten Produktionskosten, einschließlich Material, Arbeitskosten und Betriebskosten. Sie ermöglicht es, die Rentabilität zu überwachen und Kosteneinsparungen zu identifizieren.
  • Kostenaufschlüsselung nach Kostenstellen: Hier werden die Kosten nach verschiedenen Kostenstellen, Prozessen oder Abteilungen aufgeschlüsselt. Dies erleichtert die Identifizierung von Bereichen, in denen Einsparungen oder Effizienzsteigerungen möglich sind.

T (Team):

  • Kompetenzniveau: Diese Kennzahl misst die Kompetenzausprägung der Mitarbeiter im Team. Sie kann dazu beitragen, schnell Kompetenzbedarfe zu erkennen und die Teamqualifikation zu steigern.
  • Verbesserungsvorschläge pro Mitarbeiter: Hier wird die Anzahl der von Mitarbeitern eingereichten Verbesserungsvorschläge erfasst. Dies fördert die Mitarbeiterbeteiligung am kontinuierlichen Verbesserungsprozess.

Es ist wichtig zu betonen, dass die Auswahl und Anpassung dieser Kennzahlen an die individuellen Anforderungen Ihres Unternehmens und Ihrer Branche erfolgen sollte. Eine regelmäßige Überprüfung und Weiterentwicklung der Kennzahlen ist entscheidend, um sicherzustellen, dass sie relevante Einblicke in die Leistung am Shopfloor bieten und zur Erreichung Ihrer geschäftlichen Ziele beitragen.

Was sollten Sie als Führungskraft beachten?

Als Führungskraft tragen Sie eine entscheidende Verantwortung für die Effizienz, Qualität und Sicherheit am Shopfloor. Doch welche Schlüsselfaktoren sollten Sie unbedingt beachten, um ein wirksames und erfolgreiches System zu ermöglichen?

1. Sicherheit als oberste Priorität

Die Sicherheit am Shopfloor sollte stets oberste Priorität haben. Als Führungskraft sind Sie verantwortlich für die Einhaltung aller Sicherheitsstandards und -vorschriften. Stellen Sie sicher, dass Ihre Mitarbeiter die erforderliche Sicherheitsschulung erhalten haben und die PSA ordnungsgemäß verwendet wird.

2. Kontinuierliche Qualitätsverbesserung

Qualität ist ein entscheidender Faktor im Shopfloormanagement. Überwachen Sie kontinuierlich die Produktqualität und stellen Sie sicher, dass Qualitätsstandards eingehalten werden und reagieren Sie schnell auf Abweichungen oder Probleme. Kundenbeschwerden und Ausschussraten sollten in Ihrem Radar sein, um Qualitätsprobleme frühzeitig zu erkennen und zu beheben.

3. Effizienz und Ausbringung maximieren

Die Ausbringung am Shopfloor ist ein Schlüsselaspekt für die Produktivität. Überwachen Sie die Produktions- & Durchlaufzeiten und die Effizienz Ihrer Produktionsprozesse. Identifizieren Sie Engpässe und Leerlaufzeiten und ergreifen Sie Maßnahmen zur Steigerung der Kapazitätsauslastung. Der Einsatz von Kennzahlen wie OEE kann Ihnen helfen, die Leistung Ihrer Maschinen und Anlagen zu optimieren.

4. Kostenmanagement und Rentabilität im Blick behalten

Die effiziente Nutzung von Ressourcen ist von zentraler Bedeutung. Überwachen Sie die Gesamtkosten der Produktion und analysieren Sie, welche Kostenstellen oder Teilprozesse die größten Kosten verursachen. Identifizieren Sie Möglichkeiten zur Kostenreduzierung und zur Steigerung der Rentabilität.

5. Mitarbeiterengagement fördern

Ihre Mitarbeiter sind ein Erfolgsbestandteil des Shopfloormanagements. Fördern Sie das Engagement und die Beteiligung Ihrer Mitarbeiter. Ermutigen Sie Ihre Teams, kontinuierliche Verbesserungsvorschläge einzureichen. Mitarbeiter, die sich aktiv am Prozess beteiligen, tragen entscheidend zur Effizienz und Qualität bei. Sie sollten ebenfalls einen hilfreichen Gemba-Walk als Führungsroutine etablieren.

Insgesamt ist das Shopfloor Management eine komplexe Aufgabe, die sowohl strategisches Denken als auch praktische Umsetzung erfordert. Indem Sie diese TOP 5 Punkte als Führungskraft beachten, legen Sie den Grundstein für ein wirksames und erfolgreiches Shopfloor Management.

Was Ihnen noch dabei helfen könnte

Sie sollten für sich und für Ihre Mitarbeiter einen Methodenkoffer definieren, mit dem Sie schnell Prozesse optimieren und Lösungen finden.

Hilfreiche Tools und Methoden für die Praxis

Die 5 Why Methode hilft Teams vor Ort im Produktionsumfeld, die Ursachen von Problemen effektiv zu identifizieren und langfristige Lösungen zu finden.

Mit der DEBI Matrix (auch RACI Matrix genannt) können Teams im Produktionsumfeld Aufgaben und Verantwortlichkeiten klar und transparent visualisieren und regeln, was Unklarheiten bei der Aufgabenerfüllung und Kommunikation schnell beseitigen kann.

Mit Delegation Poker können Teams im Produktionsumfeld spielerisch Verantwortung und Entscheidungskompetenzen klären und fördern, indem sie Delegationsniveaus diskutieren und ihre Teamreife in Bezug auf Aufgaben und Kompetenzen besser einschätzen.

Die WSJF Methode hilft agilen Teams im Produktionsumfeld, Aufgaben optimal zu priorisieren und den größten geschäftlichen Wert bei minimalen Risiken zu erzielen.

Die Makigami Methode visualisiert und analysiert Prozesse, um Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen zu ermöglichen.

Mit der Marshmallow Challenge können Teams im Produktionsumfeld ihre Kreativität und Teamarbeit verbessern, indem sie gemeinsam eine kreative Aufgabe lösen müssen und spielerisch einen Turm bauen.

Weitere hilfreiche Artikel und Informationen

Das Ursache-Wirkungs-Diagramm (auch als Fischgrätendiagramm bekannt) ermöglicht Teams in der Produktion, Probleme durch die Berücksichtigung verschiedener Ursachenkategorien zu analysieren und Lösungen zur Prozessoptimierung und Qualitätsverbesserung zu entwickeln.

Mit der Disneymethode, basierend auf den Denkprozessen von Walt Disney, können Teams im Produktionsumfeld kreative Lösungsstrategien entwickeln, indem sie die Perspektiven des Träumers, Realisten und Kritikers einnehmen, um ganzheitliche Lösungen für komplexe Probleme zu erarbeiten.

Die Unfallpyramide zeigt, wie unsichere Zustände und Verhaltensweisen zu schweren Arbeitsunfällen führen und betont die Notwendigkeit von Prävention, Risikobewertung, Arbeitsschutz und Sicherheitsmanagement zur Vermeidung von Arbeitsunfällen.

Was halten wir also fest?

In diesem Artikel konnten Sie nun die Grundlagen und Bausteine des Shopfloor Managements kennenlernen. Es ist wichtig zu betonen, dass die erfolgreiche Implementierung dieses Konzepts eine enge Zusammenarbeit zwischen Führungskräften und Mitarbeitern erfordert. Wenn Sie mehr über Shopfloor Management erfahren möchten oder Unterstützung bei der Umsetzung in Ihrem Unternehmen benötigen, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

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