Wertstromanalyse Prozess schlank machen und Effizienzpotenziale finden Hymer Acceleration

Wertstromanalyse: Prozess schlank machen und Effizienzpotenziale finden

Die Wertstromanalyse (auch Value Stream Mapping / VSM) ist eine der wirksamsten Methoden im Lean Management, um einen Prozess vom Ursprung bis zur Lieferung an den Kunden zu verstehen und systematisch zu verbessern. Dieser Artikel zeigt Ihnen praxisnah, wie Sie mit einer Wertstromanalyse die größten Effizienzpotenziale finden: von der sauberen Ist-Aufnahme über das Erkennen von Verschwendung bis zum Wertstromdesign eines realistischen Soll-Zustands.

Warum sich das Lesen lohnt: Sie erhalten eine klare Schritt-für-Schritt-Logik, typische Schwachstellen und Engpässe, Priorisierungskriterien sowie Tipps für die Durchführung einer Wertstromanalyse – inklusive Ausblick auf digitale Tools wie Process Mining und Simulation.

Merksätze:

  • Wertstromanalyse macht Verschwendung sichtbar, indem sie Material- und Informationsfluss in einem Wertstromdiagramm zusammenführt.
  • Die größten Effizienzpotenziale liegen selten in der Bearbeitungszeit, sondern in Warte-, Liege- und Bestandszeiten zwischen den Prozessschritten.
  • Ein guter Soll-Zustand richtet Prozesse am Kundentakt aus und synchronisiert sie per Pull-Steuerung statt per Push-Planung.

Wie finde ich mithilfe der Wertstromanalyse meine größten Effizienzpotenziale?

Mithilfe der Wertstromanalyse meine größten Effizienzpotenziale finden

Sie finden Ihre größten Effizienzpotenziale, indem Sie

(1) den Ist-Zustand Ihres gesamten Prozesses mit allen Material- und Informationsflüssen erfassen,

(2) Verschwendungsarten wie Bestände, Wartezeiten, Transporte, Überproduktion oder Medienbrüche sichtbar machen und priorisieren

(3) daraus einen Soll- oder Idealzustand (Wertstromdesign) mit konkreten Maßnahmen ableiten.

Konkret bedeutet das in der Praxis: In der Ist-Analyse erheben Sie detailliert Durchlaufzeiten, Losgrößen, Warte- und Liegezeiten sowie den Informationsfluss (z. B. Planung, Freigaben, Bestellungen, Rückmeldungen). Genau in diesen Daten steckt der größte Hebel: Wenn die Durchlaufzeit im Verhältnis zur wertschöpfenden Zeit extrem hoch ist, liegt der Effizienzverlust meist in Bestand, Wartezeit, Transport und brüchigen Schnittstellen.

Im nächsten Schritt klassifizieren Sie die Beobachtungen nach Lean-Prinzip (Muda/Verschwendung): zum Beispiel Überproduktion, Transport, Bestände, unnötige Bewegung, Wartezeiten, Überbearbeitung, Fehler/Nacharbeit – und in modernen Umgebungen zusätzlich digitale Verschwendungen wie Medienbrüche und Systemwechsel. Danach entwickeln Sie einen Soll-Zustand, der Kundentakt und Anforderungen berücksichtigt, Engpässe beseitigt, Prozessschritte synchronisiert und – wo sinnvoll – Pull-Steuerung einführt. So wird aus einer Analyse eine umsetzbare Roadmap zur Optimierung.

Was ist Wertstromanalyse? Definition, Zweck und Fokus im Lean

Wertstromanalyse ist eine Methode, um sämtliche Prozesse zu visualisieren, die ein Produkt oder eine Dienstleistung vom Lieferanten bis zum Kunden durchläuft. In vielen Unternehmen wird sie als Flussdiagramm-Methode verstanden: Sie verbindet Ablaufdiagramme mit Kennzahlen (z. B. Zeiten, Bestände) und schafft so eine objektive Grundlage für Entscheidungen.

Der Hauptfokus im Lean liegt darauf, den gesamten Prozess aus Sicht des Kunden zu betrachten: Was trägt zur Wertschöpfung bei und was ist Verschwendung? Damit ist die Wertstromanalyse ein mächtiges Werkzeug – nicht nur ein Zeichnen von Kästchen, sondern ein Management-Werkzeug zur Priorisierung von Verbesserungspotenzialen über Abteilungsgrenzen hinweg (Produktion, Logistik, Planung, Qualität, Einkauf).

Wichtig dabei: Ein Wertstrom ist nicht eine Abteilung, sondern die Wertstromkette über mehrere Prozessschritte hinweg – inklusive Materialflussanalyse und Informationsfluss. So erkennen Sie Schwachstellen und Engpässe dort, wo sie tatsächlich entstehen und nicht nur dort, wo Symptome sichtbar werden.

Wertstrom, Werttypen und Wertströme einfach erklärt (inklusive 3 Klassifizierungen)

Wertstrom, Werttypen und Wertströme einfach erklärt

Was versteht man unter einem Wertstrom? Einfach erklärt ist es die Summe aller Aktivitäten, die ein Produkt oder eine Dienstleistung durchläuft, bis es beim Kunden ankommt. Lean-Anwender unterscheiden bei der Analyse eines Wertstroms typischerweise drei Werttypen:

  1. Wertschöpfend: Tätigkeiten, für die der Kunde zahlen würde (z. B. Bearbeitung, Montage).
  2. Nicht wertschöpfend, aber notwendig: z. B. gesetzliche Prüfungen, unvermeidbare Rüstvorgänge.
  3. Nicht wertschöpfend / Verschwendung (Muda): z. B. Wartezeit, Transport, unnötige Bestände, Nacharbeit.

Die größten Effizienzpotenziale liegen fast immer im dritten Bereich – häufig begleitet durch gezielte Reduktionen bzw. Verbesserungen (z. B. Rüstzeit senken, Prüfaufwand risikobasiert gestalten). Diese Einordnung hilft Ihnen, Maßnahmen nicht nach Gefühl, sondern entlang der Wertschöpfung zu steuern.

Wie funktioniert eine Wertstromanalyse? Durchführung in 6 Schritten

Die Durchführung einer Wertstromanalyse folgt einem bewährten Ablauf – in Fertigung und Montage, in administrativen Prozessen oder einer Dienstleistung. Sie hilft, direkte Antworten auf typische Fragen zu bekommen:

1. Scope festlegen: Produktfamilie/Value Stream auswählen, Kundenanforderungen definieren, Start- und Endpunkt klären (Lieferant → Kunde). 

2. Beobachten & Daten erheben: Vor Ort beobachten (Gemba Walk), messen, mitarbeiten. Erheben Sie Zykluszeit, Rüstzeit, Verfügbarkeit, Bestände, Informationsfluss, Übergaben. Ganz wichtig – keinen Daten vertrauen und selbst alle checken was gecheckt werden kann.

3. Ist-Zustand zeichnen (VSM): Wertstromanalyse darstellen mit Standardsymbolen; Materialfluss und Informationsfluss zusammenführen. 

4. Verschwendungen identifizieren: Wartezeiten, Liegezeiten, Transporte, Überproduktion, Fehler, Medienbrüche etc. – inklusive Ursachen. 

5. Soll-Zustand entwerfen (Wertstromdesign): Kundentakt, Fluss/Pull, Engpass-Management, Supermärkte/Kanban, Heijunka/Glättung. 

6. Umsetzung planen: Maßnahmen priorisieren, Verantwortliche, Kennzahlenset, Zeitplan; kontinuierlich nachhalten.

Dahinter steht einfach: Erst Transparenz, dann Diagnose, dann Design, dann Umsetzung. Wer direkt optimiert, ohne den aktuellen Status zu verstehen, verschiebt oft nur Probleme.

Ist-Zustand erheben: Durchlaufzeiten, Bestände, Informationsfluss messbar machen

Der erste Schritt bei der Wertstromanalyse ist die Ist-Aufnahme. Sie ist dann gut, wenn sie nicht aus ERP-Schätzungen besteht, sondern aus Beobachtung und Messung im physischen Prozess oder im digitalen Workflow. Typische Datenfelder: Zykluszeit, Rüstzeit, Losgröße, Ausschuss/Nacharbeit, Bestand pro Puffer, Warte- und Liegezeiten, Schichtmodell sowie der Informationsfluss (Trigger, Freigaben, Planungsrhythmus).

Besonders wichtig: Trennen Sie klar zwischen Bearbeitungszeit und Durchlaufzeit. Viele Prozesse wirken effizient, weil einzelne Stationen gute Kennzahlen aufweisen, während die Durchlaufzeit durch Bestände und Wartezeiten explodiert. Genau hier liegt das Verbesserungspotenzial.

Praxis-Tipp (Bleistift und Papier): Starten Sie bewusst low-tech. Eine erste Wertstromanalyse mit Stoppuhr und Interviews schafft oft mehr Lernkurve als ein Tool, das zu früh „schön“ macht.

Symbol, Wertstromdiagramm und Symbole der Wertstromanalyse

Was ist ein Wertstromdiagramm? Es ist die Visualisierung des gesamten Prozessablaufs inklusive Material- und Informationsfluss mit standardisierten Elementen. Ein Symbol steht für Prozess, Bestand, Transport, Informationsübertragung, externe Parteien (Lieferant/Kunde) etc. Symbole helfen, dass Teams bereichsübergreifend dieselbe Sprache sprechen.

Typische Inhalte im VSM: Prozessboxen mit Zeiten (Zykluszeit/Rüstzeit), Bestandsdreiecke mit Mengen und daraus abgeleitete Warte- und Liegezeiten, Pfeile für Material- und Informationsfluss sowie eine Zeitlinie (wertschöpfend vs. nicht wertschöpfend). Damit wird der Ablauf sichtbar und auswertbar.

Wichtig ist nicht Perfektion, sondern Wahrheit: Ein VSM ist nur so gut wie die Daten und die Ehrlichkeit beim Einzeichnen von Engpässen und Schleifen.

Verschwendungen erkennen: Die größten Hebel im Prozess

Verschwendungen erkennen in der Wertstromanalyse

Wertstromanalyse macht Verschwendung entlang des gesamten Prozesses sichtbar. Klassische Verschwendungen im Lean (Muda) sind:

  • Überproduktion 
  • Transport 
  • Bestände 
  • Bewegung 
  • Wartezeit 
  • Überbearbeitung 
  • Fehler/Nacharbeit 

Moderne Verschwendungsarten ergänzen Medienbrüche, Systemwechsel, manuelle Datenerfassung, doppelte Datenpflege, Ticket-Pingpong – auch in Büro-, IT- und Dienstleistungsprozessen.

Für die Priorisierung hilft eine einfache Logik: Was treibt Durchlaufzeit und Liefertreue am stärksten? Häufig ist es nicht der langsamste Prozessschritt, sondern die Summe aus Bestand, Wartezeit und Abstimmungsaufwand.

Ziele der Wertstromanalyse: Effizienzpotenziale mit Kennzahlen sichtbar machen

Ziele sind typischerweise: Durchlaufzeit reduzieren, Liefertreue erhöhen, Bestände senken, Transparenz schaffen, Qualität stabilisieren und Kosten senken – ohne den Kundenwert zu gefährden. Besonders aussagekräftig ist das Verhältnis von wertschöpfender Zeit zur gesamten Durchlaufzeit.

Ergänzende Kennzahlen:

  • WIP/Bestand pro Abschnitt 
  • First Pass Yield / Nacharbeitsquote 
  • Rüstanteil und Losgrößenlogik 
  • Takt vs. Zykluszeit 
  • Schnittstellenaufwand im Informationsfluss 

Wenn Sie Six Sigma nutzen, lassen sich Prozessfähigkeit und Fehlerkosten tiefer quantifizieren. Die Stärke der Wertstromanalyse liegt jedoch darin, die größten Hebel schnell sichtbar zu machen und Maßnahmen zu bündeln.

Soll-Zustand & Wertstromdesign: Kundentakt, Engpass beseitigen, Pull statt Push

Im Soll-Zustand wird aus Analyse Methode: Sie designen den künftigen Wertstrom so, dass er stabil und schlank arbeitet.
Leitfragen:

  • Wo kann Fluss entstehen?
  • Wo braucht es Puffer?
  • Wie wird Pull ausgelöst?
  • Wie glätten Sie (Heijunka), um Überproduktion zu vermeiden?

Ein guter Soll-Zustand berücksichtigt den Kundentakt und synchronisiert Prozessschritte: Engpässe werden gezielt entlastet (Rüstzeit reduzieren, Standardarbeit, Balancierung, parallele Ressourcen). Pull-Steuerung (Kanban) reduziert Bestand, verbessert Reaktionsfähigkeit und macht Probleme sichtbar statt sie zu verstecken.

Software und Tools: Von Bleistift bis Value Stream Analyse 4.0

Tools können Wertstromanalyse beschleunigen – wenn die Grundlagen stimmen. Starten Sie low-tech, danach eignen sich Tools für kollaborative Visualisierung, Variantenvergleich, Kennzahlenautomatisierung und Dokumentation.

Der Trend geht Richtung Value Stream Analyse 4.0: Echtzeit-Datenerhebung aus MES/ERP/Scanner-Daten und Prozesssimulation, um Soll-Szenarien zu prognostizieren. Process Mining zeigt reale Pfade, Schleifen und Wartezeiten in Systemprozessen – auch außerhalb der Fertigung.

Grenze & Risiko: Tools liefern Daten, aber keine Prioritäten. Ohne saubere Fragestellung und Gemba-Verständnis optimiert man sonst die falsche Stelle sehr effizient.

Tipps für die Wertstromanalyse: Häufige Fehler vermeiden und schneller zu Maßnahmen kommen

– Starten Sie mit einer Produktfamilie, nicht mit der ganzen Fabrik. 

– Messen statt schätzen: Daten vor Ort prüfen, nicht nur aus Systemen übernehmen. 

– Material- und Informationsfluss gleich ernst nehmen: Viele Engpässe sind Planungsprobleme, nicht Maschinenprobleme.

– Ursachen klären, nicht nur Symptome markieren: Jede Schwachstelle braucht eine Hypothese und eine Gegenmaßnahme. 

– Maßnahmen nach Wirkung und Umsetzbarkeit priorisieren; dann in kleinen Experimenten (Kaizen) umsetzen. 

– Kontinuierlich nachhalten: Wertstromanalyse ist kein Einmalprojekt, sondern ein Rahmen für kontinuierliche Verbesserung.

Geschichte der Wertstromanalyse: Von Toyota zum Lean-Standard

Die Methode entstand im Toyota-Produktionssystem, um Wertströme transparent zu machen und Verschwendung gesamtheitlich zu beseitigen. Durch das Lean Enterprise Institute wurde sie standardisiert und auf viele Branchen übertragen. Heute ist Wertstromanalyse geeignet für Produktion, Lieferkette, Logistik und wissensintensive Prozesse.

Fazit: Wertstromanalyse nutzen, Engpässe lösen und effektiv in den Wettbewerb treten

Wertstromanalyse nutzen, Engpässe lösen und effektiv in den Wettbewerb treten
  • Wertstromanalyse zeigt mit Durchlaufzeiten, Beständen, Warte- und Liegezeiten sowie Informationsfluss die größten Effizienzpotenziale. 
  • Die Hebel liegen meist in Verschwendung zwischen Prozessschritten: Bestand, Wartezeit, Transport, Medienbrüche. 
  • Ein wirksames Wertstromdesign definiert den Soll-Zustand am Kundentakt, reduziert Engpässe und synchronisiert per Pull. 
  • Starten Sie pragmatisch (Gemba, Bleistift), priorisieren Sie Maßnahmen nach Wirkung – und nutzen Sie Tools/Process Mining erst, wenn Fragen und Datenlogik stehen. 
  • Wertstromanalyse hilft nicht nur in der Fertigung, sondern ebenso bei Produkt- und Dienstleistungsprozessen, besonders bei komplexen Informationsflüssen.

FAQ zur Wertstromanalyse

Wie mache ich eine Wertstromanalyse? 

Sie legen Scope (Produktfamilie, Start/Ende) fest, erheben am Gemba Daten, zeichnen den Ist-Zustand als VSM, priorisieren Verschwendungen, definieren Soll-Zustand als Wertstromdesign und halten Umsetzung mit Verantwortlichen und Kennzahlen nach.

Was ist das Ziel einer Wertstromanalyse? 

Ziel ist, den gesamten Prozess inklusive Material- und Informationsfluss transparent zu machen, Verschwendung zu erkennen und daraus Verbesserungen abzuleiten (z. B. Durchlaufzeit reduzieren, Bestände senken, Liefertreue erhöhen).

Was ist der erste Schritt bei der Wertstromanalyse? 

Der erste Schritt ist die Scope-Definition: Produktfamilie bzw. Wertstrom auswählen, Kundenanforderungen klären sowie Start- und Endpunkt (Lieferant bis Kunde) festlegen.

Was wird bei der Wertstromanalyse betrachtet? 

Betrachtet werden Materialfluss, Informationsfluss, Prozessschritte, Bestände/Puffer, Zeiten (Zykluszeit, Rüstzeit, Durchlaufzeit) sowie Störungen, Nacharbeit und Schnittstellen.

Was ist ein Wertstromdiagramm? 

Ein Wertstromdiagramm ist die Visualisierung eines Wertstroms mit standardisierten Symbolen, die Prozessschritte, Bestände sowie Material- und Informationsflüsse und eine Zeitlinie darstellen.

Falls Sie noch keine Wertstromanalyse durchgeführt haben, versuchen Sie es erst selbst und schauen Sie ob sie da schon bereits die ersten Erkenntnisse und Verbesserungen ableiten können. Für eine professionell durchgeführte VSM, empfehle ich immer einen Experten, denn es erfordert etwas Übung, um die Details nicht zu übersehen.

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